2006. Oktober 11.
Aus Anlass des 180-jährigen Jubiläums der Herender Porzellanmanufaktur wurde des einstigen Direktors von Herend gedacht
Dr. Gyula Gulden kam 1923 in den Direktorensessel der Herender Porzellanmanufaktur und bekleidete diesen Posten bis zur Verstaatlichung. Zum Verständnis von Guldens Errungenschaften ist es notwendig zu erwähnen, dass Ungarn damals gerade an der Bewältigung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten nach dem Friedensvertrag von Trianon war, sodass es für Porzellan als Luxusware nur minimale Nachfrage gab. Sein größtes Verdienst war es, die nach dem ersten Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise in schwierigen Verhältnissen befindliche Manufaktur aufblühen zu lassen und ihr Weltruhm zu verschaffen.
Aus künstlerischer Sicht war die wichtigste Veränderung der Beginn der Herstellung von Kleinplastiken: bis zum Ende des zweiten Weltkrieges waren die hervorragendsten Bildhauer und Keramiker in Herend mit der Planung von Statuen, Kleinplastiken und Plaketten im modernen und traditionellen Stil beschäftigt. Aus dieser Zeit stammen die heute schon als Klassiker geltenden Plastiken der Manufaktur, wie zum Beispiel die Madonna von Matyo Elek Lux, Frau Déry (Déryné) von Miklós Ligeti, oder der Däumling (Hüvelyk Matyi) von Ede Telcs.
Die in Zusammenarbeit mit dem italienischen Designer Malagola Cappi hergestellten, mit klassischen Herendmustern versehenen Lampenkörper wurden ebenfalls recht freundlich aufgenommen. Die Sammlung der im Eigentum der Fabrik verbliebenen beziehungsweise zurückgekauften alten Herend-Stücke wurde dem Publikum zugänglich gemacht. Dies war der Vorläufer des heutigen Porzellanmuseums. Die Reihe der Anerkennungen wurde mit der bei der Weltausstellung 1933 in Chicago gewonnenen Auszeichnung eröffnet, nach der Herender Porzellan noch bei der Weltausstellung 1935 in Brüssel die Goldmedaille, bei der Weltausstellung 1937 in Paris den Grand Prix und bei der VII. Triennale 1940 in Mailand das Diplome d'Honore gewann. Die Weltausstellung 1939 in New York hat eine herausragende Bedeutung, da die dort geknüpften Handelskontakte bis zum heutigen Tag andauern.
Ab den 30er Jahren wurde der Kundenkreis der Manufaktur immer illustrer: mit dem Besuch von Edward, Prince of Wales (später Herzog von Windsor) in Herend befasste sich die zeitgenössische Presse ausgiebig, daneben gehörten Leopold, König von Belgien und Julianna, Thronerbin von Holland zu den Anhängern von Herender Porzellan.
Gulden tat sowohl auf den internationalen wie den nationalen Märkten bedeutende Schritte im Interesse der Manufaktur: 1943 gründete er zur Versorgung des nationalen Marktes die Handelsgesellschaft für Kunstgewerbe.
Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges spielten die ausgedehnten internationalen Beziehungen von Gyula Gulden wieder eine Schlüsselrolle beim Fortbestand der Fabrik. Er übernahm die Leitung des portugiesischen Konsulates, und so konnten die Produkte der von ihren traditionellen Märkten getrennten Manufaktur über das neutrale Portugal auf den Weltmarkt gelangen. Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierte er in die USA, wo er 1956 verstarb.
Die Herender Porzellanmanufaktur verbeugt sich am 180. Jahrestag ihrer Gründung mit einer Denkmalenthüllungsfeier und einer Ausstellung vor der Erinnerung an Gyula Gulden.
Während man bei der Feier der Vergangenheit gedachte, erwartet das Herender Porzellanmuseum mit der "die Zukunft von Herend - Herender der Zukunft" betitelten Ausstellung, in der die neuen Richtlinien der Manufaktur signalisierende, mit verschlankter, moderner Linienführung versehene Zierobjekte und Sortiments gezeigt werden, die Besucher.
Damit verbundene Personen
Um weitere Informationen zu erhalten, klicken Sie bitte auf den Namen der gewählten Person.