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Der Maler Miklós Farkasházy (Urenkel des Gründers der Mór Manufaktur Farkasházy Fischer) Ausstellung aus der Sammlung von Herrn Antal Pápai

  • 11. April 2007. - 31. Juli 2007.
„Wir wurden geboren, um von uns zu berichten”

Miklós Farkasházy war eine herausragende Persönlichkeit der ungarischen bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts. Der 1895 in Budapest geborene Künstler erntete zu Beginn der 1920er Jahre in Deutschland seine ersten bedeutenden Erfolge. Seine Empfänglichkeit für dekorative Elemente, seine Bereitschaft zur Linearität brachten ihm zunächst im Bereich der Plakatgestaltung Lorbeeren ein. In München wurde seinen Buchumschlaggestaltungen, Trickfilmen und Illustrationen große Aufmerksamkeit und Anerkennung zuteil. Mit seinen Werbegrafiken spielte Miklós Farkasházy zu Beginn der 1029er Jahre eine bedeutende Rolle auf dem Gebiet der deutschen angewandten Kunst.
Nach seiner Rückkehr nach Ungarn wandte sich Miklós Farkasházy von der angewandten Kunst ab und wurde zu einem bedeutenden ungarischen Grafiker. Sein Kupferstiche und Holzschnitte, Tuschemalereien und Graphitzeichnungen sind in der ungarischen Kunstgeschichte der 1920er Jahre einzigartig. Die im Geiste des Expressionismus, später in dem der neuen Sachlichkeit gemalten Landschaftsbilder, Stillleben, kubistischen, später den Einfluss von Art déco verratenden Porträtzeichnungen und Aktkompositionen ragten aus dem grafischen Schaffen seiner Zeit heraus.

 Während seiner Grafikerlaufbahn wurden Farkasházy zahlreiche Anerkennungen zuteil. Seine Erfolge konnte er vor allem auf deutschem Sprachgebiet verbuchen. Zu Beginn in Dresden und Hamburg, später in Köln, Frankfurt und Zürich. Doch Farkasházy stellte auch in Leipzig, in dem slowakischen Zsolna und in Pöstyénfürdő, im polnischen Bielsko und in Monza in Italien aus. Die größte Anerkennung erntete er in Paris.
 Vom Gebiet der Grafik führten den Künstler Tuschemalereien und Pastellzeichnungen zur Malerei. Miklós Farkasházy war zu Beginn der 1930er Jahre auch als Maler anerkannt. Es gab wenige Künstler, die soviel von Farben verstanden wie er. Von seiner Palette gelangten Millionen von Farbnuancen in einer fast musikalischen Harmonie auf die Leinwand und das Papier. Farkasházy stellte seine Vertrautheit in allen Techniken unter Beweis. Er begann mit den auf Velourpapier gemalten Pastellbildern und er setzte die Ölmalerei auf Leinwand fort und befasste sich auch mit auf Karton gemalten Temperakompositionen und Aquarellen. Seine Themen stammten aus dem täglichen Leben. Miklós Farkasházy malte Landschaften, Straßenszenen, Stillleben, farbenprächtige Interieurs, effektvolle Kompositionen. Die Reihe wurde von abstrakten Gemälden beschlossen.


Farkasházy grübelte in jeder freien Minute über Neuerungen nach. Beginnend bei seinen mit der Laubsäge gefertigten Objekten über Zierkissen, den schon erwähnten Kupferstichen und Holzschnitten probierte er bis zum Linolschnitt alles aus und schuf in jeder Technik Meisterwerke. In den 1930er Jahre reichte er ein Patent ein. Er entwickelte Fadofito, das Steingemälde, mit seiner späteren Ehefrau Gertrud Mária Donner.
Seine künstlerischen Werke konnten die Besucher auch bei zahlreichen Budapester Ausstellungen betrachten. Der Nationale Salon, der Fränkel Salon, der Leopoldstädter Gesellschaftskreis, die Buchhandlung Pen, die Szalmássy Galerie, die Kunsthalle, das Ernst Museum, die wichtigsten Ausstellungsstätten der Zeit boten ihm die Möglichkeit zu Einzelausstellungen und die Beteiligung an Gruppenschauen. In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre war er Mitglied einer der bedeutendsten ungarischen Gesellschaften bildender Kunst, der Neuen Gesellschaft bildender Künstler (KUT) und in diesem Rahmen war er an ungarischen und ausländischen Ausstellungen beteiligt.
Miklós Farkasházy passte sich niemals den Erwartungen seiner Zeit an. In den 1930er Jahren malte er, als das ganz unüblich war, die Armen der Städte. Als dann in den 1950er Jahren von ihm Arbeiterporträts, Produktionsszenen erwartet wurden, war er zu kaum mehr als der Farbkavalkade der Aufmärsche und der Darstellung eines Liebespaares mit einem Fabrikschornstein im Hintergrund bereit. Er malte lieber farbenreiche Frühlings- und Herbstbilder als die die Stützen des Sozialismus repräsentierenden Bergleute. Trotz der Tatsache, dass er wusste, dass ein Maler, der keine Bilder im Stil des sozialistischen Realismus malt, an die Peripherie des künstlerischen Lebens gerät, konnte er nur malen, was seiner künstlerischen Überzeugung entsprach. In seiner Werkstatt wuchs so die Anzahl der an die Wand gelehnten Bilder...


Der Maler Farkasházy geriet in Vergessenheit. Über Jahre wurde in der Presse nicht über ihn berichtet, war er nicht in Ausstellungen zu finden. 1955 wurden nur drei Kupferstiche für wert befunden, in der Kunsthalle im Rahmen der "VI" Ungarischen Ausstellung bildender Kunst ausgestellt zu werden. Die damalige Kulturpolitik bot ihm ?sehr gnädig" mit dem Angebot der Bemalung von Weihnachtsschmuck eine Existenz an. In den letzten drei Jahrzehnten seines Lebens trat er mit der aus sozialistischer Sicht abgelehnten abstrakten Kunst für die künstlerische Freiheit ein. Seine Witwe versuchte noch 1967 Besucher in das Atelier in der Mártírok út zu locken. Sie hätte gern einige Bilder von Farkasházy verkauft, doch nur wenige Freunde erwarben Gemälde.
Auf die Kunst von Farkasházy wurde man erneut erst mehr als zwanzig Jahre nach seinem Tod aufmerksam. Seine Gemälde, Zeichnungen und vervielfältigten Grafiken sind seither immer öfter im Kunsthandel zu finden. Die erste posthume Ausstellung wurde auch nicht in Ungarn, sondern 1989 in San Francisco in der Montgomery Gallery veranstaltet. Einer der Erben von Farkasházy, John R. Bodo, übernahm die schwierige Aufgabe, in Kalifornien einer den ungarischen Maler nicht kennenden Galerie zu beweisen, dass die Bilder von künstlerischer Bedeutung sind. In Ungarn wurde 1995 anlässlich des 100. Geburtstages des Künstlers eine Ausstellung teilweise mit Bildern des Innerstädtischen Auktionshauses und den in Privatsammlungen immer öfter zu findenden Bildern veranstaltet. In diesem Jahr wurde auf der in der Szombathelyer Galerie veranstalteten Konferenz auch ein die Kunst von Farkasházy vorstellender Vortrag gehalten. 2003 organisierte die Haas Galéria eine Kammerausstellung mit den Werken des Künstlers. Die sein gesamtes Kunstschaffen umfassende, eine Lücke ausfüllende Monografie ließ allerdings auf sich warten und erschien als Ergebnis einer rund 20 Jahre währenden Forscherarbeit zum 110. Geburtstag des Künstlers anlässlich der in der Aulich Art Galéria veranstalteten Gedenkausstellung.

Menschen begegnen deshalb einander, weil sie eine Botschaft füreinander haben...


Liebe Besucher, liebe Interessenten, gestatten Sie, dass wir in der Einführung zur Ausstellung nicht in erster Linie auf das Leben, das Werk, die Bedeutung des Malers Miklós Farkasházy eingehen, sondern auch auf die glückliche Fügung des Zufalls. Denn wenn es keine schicksalhafte Verkettung der Zufälle gegeben hätte, könnte Sie jetzt nicht diese kurze Einführung lesen.
 Der Maler Miklós Farkasházy war Urenkel des Gründers der Herender Porzellan-Manufaktur, des deren Weltruf begründenden Mór Fischer Farkasházy. Mór Fischer wurde in Tata in der Bercsényi utca 1. geboren und verbrachte die letzten vier Jahre seines Lebens ebenfalls dort. Sein Haus wurde "Wolfshaus" genannt und als Mór Fischer der Adelsrang verliehen wurde, wählte er deshalb in der magyarisierten Form den Namen Farkasházy. Der erste Zufall ist, dass ein Mitarbeiter unseres Museum im vergangenen Jahr sein Geburtshaus besichtigte ...
Miklós Farkasházy wurde am 22. Januar 1895 geboren. Mit 26 Jahren kam er durch Bekannte nach München und erntete dort seine ersten ernsthaften Erfolge: Er fertigte Plakate, Illustrationen und Grafiken an. Die deutsche Kritik zollte seinem Talent Anerkennung, so dass er, als er heimkehrte, als gefeierter Künstler empfangen wurde und auch die Möglichkeit zu Ausstellungen erhielt. Den Künstler hob unter den anderen Malern des 20. Jahrhunderts vielleicht am ehesten hervor, dass er unterschiedliche Stilarten in vielen Bereichen der bildenden Kunst ausprobierte, mit Erfolg. Grafik, Kohlezeichnung, Tuschezeichnung, Pastell, Aquarell, Öl.
Gertrúd Mária Donner. Eine Sprosse auf der Leiter des Zufalls und nicht nur deshalb, weil Miklós Farkasházy und auch sie bei Manó Vesztróczy ihr Studium begannen.
Sie mussten sich begegnen: Das hielt das Schicksal für sie bereit. Sie lebten als Paar und konnten ihre Zusammengehörigkeit, die stärker als jedes Papier war, erst später mit der Heirat absegnen lassen. "Trudi", wie er sie nannte, wurde zur Muse des Künstlers. Auf unserer Ausstellung ist eine komplette Serie zu besichtigen, die er zu Weihnachten 1950 seiner Frau schenkte. Des Künstlers "Trudi" war eine anerkannte Bildhauerin, die - natürlich - auch für die Herender Porzellan-Manufaktur Plastiken entwarf. Ja, ja, abenteuerliche, schon fast volksmärchenhafte Wendungen, doch glauben Sie nur daran, liebe Besucher, das Leben, das Schicksal oder die Bestimmung, wie man es auch nennt, hält noch Überraschungen bereit....
Der Maler Miklós Farkasházy ähnelt seinem Herender Vorfahren und Großonkel - dem Herender Fabrikbesitzer Jenő Farkasházy - vielleicht auch in der Hinsicht, dass er sich das ganze Leben hindurch immer aufs Neue nach Neuem sehnte, suchte und forschte. Beginnend mit den mit der Laubsäge geschaffenen Objekten über die Zierkissen, die Kupferstiche und Holzschnitte bis zu den Linolschnitten probierte er alles aus und schuf in allen Techniken Meisterwerke.

Als selbständiger, experimentierender Künstler mit liberaler Weltsicht entsprach er niemals den künstlerischen Erwartungen der Zeit. In seinem letzten Lebensjahrzehnt trat er mit seinen aus sozialistischer Sicht abgelehnten abstrakten Bildern für die Freiheit der Kunst ein. So geriet der bis dahin in Ungarn und im Ausland anerkannte, gefeierte und vor allem als Grafiker hochgeschätzte Künstler in seinen letzten Jahren ganz langsam in Vergessenheit.
Am 12. Juni 1964 ließ das Herz während des glücklichen Erzählens einer Geschichte ihn, den das Leben nicht verwöhnt hatte und laut der Meinung mancher ausgesprochen stiefmütterlich behandelte, von einem Augenblick zum anderen im Stich und hörte auf zu schlagen. Seine Witwe Gertrúd Donner fand nach langen Jahren der Einsamkeit einen neuen Lebensgefährten in Imre Dukász, der einst ein guter Freund von Miklós Farkasházy gewesen war und den der Künstler einst auch abgebildet hatte. War er doch auch ein Lehrer, der aus Tata stammte...
Ein Teil des Nachlasses kam nach dem Tod von Gertrúd Donner 1986 in seinen Besitz, ein kleinerer Teil gelangte nach Amerika zu entfernteren Verwandten. Das weitere Schicksal ist in der überwiegenden Mehrheit der Werke nicht mehr nachvollziehbar. Ein großer Teil davon war im Jahre 1995 zu der aus Anlass seines 100. Geburtstages veranstalteten Festausstellung des Innerstädtischen Auktionshauses zu besichtigen.



Das Tataer Fischer-Geburtshaus steht noch jetzt dort in Tata in der Bercsényi utca. An der Wand des Hauses kündet eine Tafel, dass Fischer Mór, der einstige Eigentümer der Herender Manufaktur, darin geboren wurde. Der Mitarbeiter des Museums kam dorthin, um Daten zu sammeln - zufällig, als Wendung des Schicksals hatte er die Gelegenheit, das Heim des derzeitigen Bewohners zu betreten und sah, dass die Wände mit Bildern von Miklós Farkasházy bedeckt waren, auf dem Schrank die Plastiken von Gertrúd Donner standen ...
Nach der Aussage von Herrn Antal Pápai, dem Eigentümer und Sammler der Bilder und Plastiken, waren sein Vater und Imre Dukász gute Freunde und so gelangte der Grundstock der Sammlung in den Besitz seiner Familie.
Man kann an das Schicksal, an eine höhere Ordnung als die der Sterblichen auf Erden glauben, man kann von vornherein an die Vorsehung  denken oder es dem Zufall zuschreiben,  eines lässt sich sicher feststellen: Der Name Farkasházy und Herend  gingen in den vergangenen 180 Jahren eine Symbiose  ein und sind jetzt durch ein weiteres Glied  enger miteinander verbunden, wir stellen sogar die Herender Entwürfe einer Farkasházy-Ehefrau vor.
Das Herender Porzellanmuseum gibt mit Freuden einer Art Abdruck der sehr reichen künstlerischen Palette des Malers Raum. Neben den zum Erfolg verurteilten Experimenten der Anfangsjahre um 1910 wurde seinen den überwiegenden Teil der Ausstellung bildenden abstrakten, revoltierenden Werken besondere Aufmerksamkeit gewidmet, doch fast jede Technik, jeder Stil werden vorgestellt. Beim Betrachten der Ausstellung eines herausragenden Künstlers des 20. Jahrhunderts wünschen wir allen eine angenehme Zeit. ?Wir werden geboren, um uns auszudrücken" das ist das Motto unserer Ausstellung, unser Museum führt im Zeichen dieses Gedankens die Verwirklichung fort, es tut das deshalb, wie viele Zufälle, der Wille des Schicksals nicht ohne Grund geschehen.
Es versteht sich fast von selbst, dass die Zufälle nicht von ihrem Treiben lassen wollten. Bei dem Abtransport der Bilder in Tata trat unversehens Sándor Pista bácsi in das Geburtshaus von Mór Fischer - ebenfalls eine Nachkomme von Mór Fischer Farkasházy - der ein guter gemeinsamer Bekannter von Herrn Pápai und dem Herender Mitarbeiter ist ... und die Ausstellung eröffnete Herr Tivadar Farkasházy...