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Ausstellung des Malers Dénes Gulyás

  • 06. März 2001. - 20. April 2001.
Ein Land und sein Bauwerk

Das Parlament

 Meine ersten Erinnerungen an das Parlament stammen noch aus den 30-er Jahren, der Zeit meiner Kindheit. Auf der Wasseroberfläche der Donau spiegelte sich schon damals das Bild des mächtigen und doch von einer besonderen Leichtigkeit getragenen, märchenhaften Gebäudes wieder, welches sich mit seinen vielen spitzenartigen Türmen und seiner Kuppel gen Himmel streckt und dessen Spiegelbild sich in den Wellen der Donau immer wieder neu zu einem Ganzen zusammenzusetzt.
Später, nach der Besetzung, sah ich es wieder, wie es sich mit seiner eingestürzten Kuppel auf die Pfeiler der Kossuth-Brücke stützte.

In meinem Leben gab es Zeiten, in denen ich das Parlament wochen-und monatelang aus meinen Augen verlor, und dann wieder solche, in denen ich Tag für Tag gemeinsam mit meinem Sohn im Inneren des Gebäudes arbeitete, um Skizzen anzufertigen und Restaurierungsarbeiten durchzuführen. Mehr als 40 Jahre lang blickte ich aus den Fenstern meines Atelies über die Dächer hinweg auf die sich emporstrebende Kuppel und die Türme des Parlaments.

Das Parlament stand seit seinem Entwurf im Jahre 1884 - ähnlich dem Eiffelturm in Paris - im Kreuzfeuer aller Streitgespräche. Der Architekt Imre Steindl plante ursprünglich einen Renaissancepalast, doch dem Grafen Gyula Andrássy, Vorsitzender der Jury, schwebte das Bild des Londoner Parlaments vor Augen und so brachte er den Architekten dazu, seine Pläne im Sinne des gotischen Baustils zu ändern. So erhebt sich auf einem Pfahlsystem aus Fichten der Karpaten, die in eine Tiefe von 20 m geschlagen wurden, auf einer Länge von 260 m zwischen der Margitbrücke und der Kettenbrücke das Parlamentsgebäude, welches nicht nur die Pester Uferseite vereint, sondern zudem ein spektakuläres Gleichgewicht zum Ufer schafft.

Das Werk Steindls ist voll von architektonischem Nonsens. Zwischen der äusseren und inneren Schale der Kuppel klafft ein leerer Raum. Es stellt sich die Frage, ob es überhaupt eine gotische Kuppel gibt, und in dieser Grösse? Das Haupttreppenhaus ist nach Meinung der Neider afunktional, die Flure bilden eher den Korso einer Innenstadt...

Und trotzdem wurde das Parlament zum Symbol der ungarischen Hauptstadt. Das Gebäude bewahrt in seinem Ganzen wie auch im Detail die sorgfältige Arbeit seines Schöpfers, der vom grössten Element der architektonischen Komposition bis zum kleinsten Winkel die Ausführung akribisch plante - seien es nun die Statuen, die Glasfenster oder die Möbel- , damit sich jedes Element vollkommen in das Gesamtwerk einfügt.

Auf diese Weise entwickelte sich aus meinen Erinnerungen und Erlebnissen die hier ausgestellte Bilderreihe mit den Ansichten vom Parlament.

Dénes Gulyás