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Ákos Tamás

  • 18. März 2004. - 08. August 2004.
Das lebendige Material

Seit meiner Kindheit stehe ich mit dem Herender Porzellan in einer engen Verbindung, da ich in der benachbarten Ortschaft Szentgál geboren wurde. Für mich bedeutete Porzellan schon immer jener Schatz mit der Feinheit von Schmuckstücken, in dessen Aura ich fortwährend die Sorgfalt, die Präzision und die Seele der Meister des Porzellans spürte. Deswegen ist auch jeder in Herend gefertigter Gegenstand mit meinem Wortgebrauch ein KUNSTGEGENSTAND - im edelsten Sinne des Wortes - bis zur kleinsten Untertasse.

Als Entwerfer trete ich selbst mit dieser Achtung an das "Weiße Gold" heran - täglich seine spezifische Metamorphose verspürend: wenn die flüssige Porzellanmasse ihre endgültige Form annimmt und sich verfestigt, um dann im heißen Feuer zu einem der härtesten Stoffe der Welt veredelt zu werden.

Es ist eine aristokratische und gefühlvolle Materie, die jedoch mit etwas planerischer Spitzfindigkeit in der Lage ist, die Tektonik des Gesteins, die Schichtung der Mineralien oder auch den organischen Aufbau der Pflanzen im übertragenen Sinne zu verbildlichen. Wenn ich es so will kann es hauchdünn wie Blütenblätter sein oder auch geheimnisvoll transparent, wie Alabaster oder eben robust wie Felsgestein. Man könnte sagen es lebt. Es ist lebendiges Material. Neben meinen traditionellen Arbeiten war es auch immer mein Ziel, mit diesem Material auch zeitgenössische Gedanken zu formulieren und dadurch auch die jüngeren Generationen für diese Markenprodukte zu gewinnen.

Die meisten meiner Arbeiten sind organisches Porzellan, was bedeutet, dass meine Formen von den Naturelementen und -erscheinungen inspiriert wurden und auch die Kunstgegenstände selbst organisch aufgebaut sind, wie die Natur: Schicht auf Schicht und Blütenblatt auf Blütenblatt - wie auch bei meiner Tellerkollektion aus Blütenblättern, bei der die jeweiligen dünnen, farbigen Porzellanschichten aufeinander aufgebaut sind. Die korallenartigen oder an Blumen erinnernden geschichteten Vasen und Teller stellen die Natur in meinen Augen immer abstrakt dar und nicht reproduktiv. Das war auch meine Denkweise bei der Anfertigung der farbigen Intarsienobjekte, den durchbrochenen Rosenfenstern.

Gleichzeitig kann ich aber auch nicht meinen eigenen natürlichen Humor umge hen, wenn ich meine mythologischen Figuren in groteske Pyramiden und Ziegel quetsche und zwänge, indem ich sie in diese uralten Symbole einschließe, aus denen sie nie mehr herausgerissen werden können.

In sämtlichen meiner bisherigen Kollektionen hat die Avitizität der Manufaktur eine Hauptrolle eingenommen: das Handwerk und die "Intelligenz der Hände", also die wichtigste Tradition Herends. Mein Grundprinzip bestand immer darin, in dieser Tradition zu leben, jedoch für die Gegenwart zu schaffen und dabei die Stofflichkeit des Porzellans zu bewahren und mit meinen Händen und ursprünglichen Techniken eine neue, ästhetische Qualität herzustellen, die persönlich, individuell und emblematisch erkennbar ist. Mit meinen eigenen bescheidenen Mitteln möchte ich die unermessliche Herender Dekorwelt bereichern, damit sich auch der Geist unserer Zeit und die Geschmackswelt der Jahrhundertwende in unserem Angebot widerspiegelt. Zum Schluss möchte ich das Herender Porzellan allen Interessenten mit der sanften Geste empfehlen, mit der es auch die von mir geformten Engel - die "Allegorien der Porzellanherstellung" über dem neuen Hauptportal der Manufaktur tun.